1 Monat vegan

Nach circa einem Monat ist es Zeit für ein kleines Resümee (was dann doch etwas länger geworden ist)….

Am Anfang sprach ich immer von meinem „veganen Experiment“, klar, man will ja erstmal schauen, wie es so läuft. Aber eigentlich war ich innerlich schon so überzeugt, dass klar war, dass es nicht nur eine temporäre Sache für mich ist.
Zuviele Informationen über die positiven Effekte des Veganismus hatten mich schon erreicht und mein Hauptgrund, die Gesundheit, wurde durch weitere Gründe (Umweltschutz, Verteilungsgerechtigkeit, Tierleid) ergänzt. Einfach zuviele Dinge für mich, um es mir nochmal anders zu überlegen, ich bin überzeugt das richtige zu tun.

Mehr Aufwand und Kosten, weniger Abwechslung? Selbst zu kochen und Abwechslung in meinen Speiseplan zu bringen viel mir nicht besonders schwer, da ich auch vorher schon Wert auf Vollwertkost gelegt habe und somit vieles selbst zubereitet habe. Außerdem habe ich vorher auch schon vegane Produkte wie Brot, Nüsse, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Obst und Gemüse etc. konsumiert. Zudem ist es toll, dass die Mensa am Park (in Leipzig) ein veganes Angebot hat, bei dem ich täglich zwischen mehreren Sachen wählen kann.

Trotzdem bin ich überrascht auf immer wieder neue Sachen zu stoßen (z.B. kannte ich Seitan noch nicht oder Gemüsesorten wie Postelein, im Reformhaus gibt es sogar tiereiweißfreies und vollwertiges Gebäck, wenn ich mal keine Zeit zum Backen habe) und bei der Masse an Rezepten im Internet weiß ich gar nicht was ich zuerst ausprobieren soll.
Es muss auch nicht immer aufwändig und/oder teuer sein, genauso wie bei einer nicht-veganen Ernährung gibt es solche und solche Rezepte. Aufstriche gibt es im Bioladen auch zur Genüge, die sind etwas teurer, aber es lassen sich auch mit einfachen Rezepten schnell selbst welche zaubern (und einfrieren), ist eh besser als Fertigprodukte.
Ich achte jetzt auch mehr darauf, Bio-Obst und Gemüse zu kaufen, das ist nun mal etwas teurer, aber dann gehe ich auch sparsamer damit um. Am besten ist es natürlich immer mir etwas aus dem Garten der Familie einzuheimsen, solange ich noch keinen eigenen habe 🙂

Und ausserhalb der eigenen vier Wände? Etwas schwieriger wird es dann, wenn man bei der Familie oder Freunden ist, oder ein Restaurant (mit nicht-veganem Angebot) besucht. Aber auch das lässt sich hinbekommen.
Ich bring jetzt eben meist immer selbst meine Sachen mit, backe etwas oder koche bei meiner Familie selbst, wer kosten möchte darf das natürlich. Brotaufstriche für Frühstück oder Abendbrot sind (wie schon gesagt) meist schnell zubereitet und in kleinen Gläschen gut zu transportieren. Ist alles nur eine Frage der Organisation. Fahr ich übers Wochenende nach Hause, überleg ich mir eben vorher, was ich machen will.

Bei der Gastronomie suche ich jetzt natürlich bevorzugt die Lokale auf, bei denen ich weiß, dass ich etwas veganes bekommen kann. Manchmal hat man aber nicht die Wahl, wie neulich mit der Familie, wo man eben eingeladen wurde.
Jedes Restaurant hat zumindest einen Salatteller im Angebot, welchen ich dann auch gewählt habe, mit einer Portion Kartoffelecken. Vorher gab es noch eine Gemüsesuppe (zwar mit Sahnehäubchen, aber das war dann wirklich mal die Ausnahme).
Verhungern muss man nicht, aber ich hoffe für die Zukunft, dass mit steigender Nachfrage auch das Angebot an veganen Gerichten (nicht nur Salat) zunimmt.

Wie reagiert das Umfeld? Sehr unterschiedlich. Manche Leute (vor allem die jüngere Generation) ist sehr offen und hat meist selbst den ein oder anderen veganen Freund. Von manchen bekommt man auch komische Fragen gestellt, wie z.B. „Wie lange machst du diese Diät jetzt schon?“ oder „Du weißt schon, dass das ernährungstechnisch totaler Quatsch ist?“
Naja… wenn mir jemand eine vernünftige, wissenschaftliche Quelle für sein (Gegen-) Argument nennen kann, bin ich da ja auch sehr offen. Traurig ist nur, dass das „Wissen“ vieler nur auf Ammenmärchen bzw. Annahmen beruht (und „Das-war-doch-aber-schon-immer-so“-Argumenten). Das schlimme ist, finde ich, dass es die Menschen einfach nicht besser wissen und die Lügen der Werbung glauben, aber es ist schwer aufzuklären, ohne gleich als Missionar zu gelten. Da muss man sehr diskret vorgehen 🙂

Jedenfalls ist es nicht so dramatisch, wie ich es mir vorgestellt habe, dass ich mich ständig in der Rechtfertigunshaltung befinde oder man mich wie einen Alien behandelt. Meist sind die Reaktionen neutral bis positiv, negative Sachen werden auch meist gar nicht ausgeprochen, die Leute denken sich dann einfach ihren Teil. Sollen sie doch.

Meine Gerichte werden auch meist mit Neugier betrachtet und zumindest auch gekostet. Zum Glück habe ich auch einen Freund, der offen für Experimente ist und meine Sachen nicht von vornherein verschmäht.

Fitness und Wohlbefinden? Ich kann nicht sagen, dass sich jetzt allzuviel verändert hat, mir geht es aber eher besser als schlechter. Ich habe mich aber auch schon vor meiner veganen Zeit relativ gesund ernährt (weitgehendster Verzicht auf Industriezucker, Vollkorngetreide etc.) und habe Sport getrieben.
Es gibt noch zwei positive Effekte, ich bin wohl etwas leichter geworden (wie meine Hosen vermuten lassen) und meine problematische Kopfhaut fühlt sich besser an (soweit ich das nach einem Monat beurteilen kann).

Zum Thema Gewichsverlust: den schreibe ich nicht ausschließlich der veganen Ernährung zu, ich bewege mich fast jeden Tag an der frischen Luft und mache auch jeden früh (insofern ich nicht zeitig raus muss) eine „Mini-Fastenkur“ und trinke mind. einen Liter Wasser, bevor ich frühstücke. Das soll die Verdauung ankurbeln und reinigen.
Und da man ja bekanntlich abends eher wie ein Bettelmann essen sollte, gibt es bei mir meist nicht viel und wenn dann auch kohlenhydratarm. Es ist also sicher ein Mix aus allem und vegan essen heißt nicht automatisch, dass man abnimmt. Das ist meiner Meinung auch die falsche Motivation.

Fazit: Mir geht es super damit, der Mehraufwand (den ich nicht als so stark empfinde) ist es mir einfach wert. Ich habe nicht das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen, im Gegenteil, es gibt viele neue Sachen zu entdecken, es bleibt total spannend.
Ich bin irgndwie auch glücklicher mit dem Gewissen zu leben, mich nicht an dieser grässlichen Tierindustrie mit all ihren Auswirkungen zu beteiligen und mir gleichzeit etwas Gutes zu tun.
Irgenwie hat es auch etwas von Freiheit. An dieser Stelle möchte ich nochmal  Manfred Edinger (aus seinem Blog Green Action) zitieren, denn er spricht mir aus der Seele:

“ […] Bisher habe ich mich jedes Mal besser gefühlt, wenn ich mich dazu entschieden habe, mich nach meinen inneren Wertmaßstäben zu richten. So ging es mir auch mit der Entscheidung, mich vegan zu ernähren. Die Erfahrung, diese Entscheidung trotz Bedenken bezüglich der Praktikabilität und der möglichen Befremdung meiner Umwelt zu treffen und umsetzen, gab mir wieder einmal ein Gefühl der persönlichen Freiheit. Freiheit ist für mich, wenn ich für etwas, das ich als richtig erkannt habe, die Verantwortung übernehme und es in die Tat umsetze. Mir geht es besser, wenn ich so handle. Selbst wenn ich den Untergang der Menschheit und vieler Arten nicht verhindern kann, will ich wenigstens in Würde untergehen und (wie jeder Strebende) das Gefühl haben, dass ich sinnvoll gelebt habe. Ein wichtiger Teil des Sinns meines Lebens besteht für mich im Moment darin, meinen Beitrag zum Stopp der Zerstörung der Erde zu leisten und eine lebensfördernde Entwicklung einzuleiten. […]“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s